
Erscheinungsjahr: 2002
Spielzeit: ?? min
Bestellnummer: zb000035
Preis: 20.00 €
Die beiden Autoren unternehmen auf 337 Seiten einen Streifzug durch die lateinamerikanische Musik. Dies ist weder eine akademische Abhandlung noch eine Anhäufung von Zahlen oder Fakten. Unterhaltend geschrieben geben die Autoren Sach-informationen und vergessen bei aller Musik nie deren Einbindung in das sozialen und geschichtliche Umfeld. Natürlich werden viele Themen in den insgesamt 15 Kapitel nur angerissen. Aber das macht nichts. Es geht darum, einen Überblick zu geben. Und dies gelingt.
01. juan charrasqueado, jorge negrete
02. el año viejo, orquesta latino's band
03. la mujer ideal, eduardo y jose ware
04. duerme negrito, atahualpa yupanqui
05. la carta, violeta parra
06. a desalambrar, isabel y angel parra
07. vinganca, maria bethania
08. maracaña, francis hime
09. the girl from ipanema, antonio carlos jobim...
10. tu voz, celia cruz
11. los pollitos, matahambre son
12. nosotros, orquesta aragon
13. la rebelion, orquesta latino's band
14. la vida es un carnaval, celia cruz
15. manteca, chano pozo/ dizzie gillespie
16. solamente una vez, agustin lara
17. como fue, benny more
18. besame mucho, los panchos
19. cafetin de buenos aires, fontan luna/ astor piazzolla
Die Geheimnisse von Salsa-Samba-Santeria (ein Nachschlagewerk zum Kuba-Boom in der Musik) Seit der Boom der kubanischen Musik vor ein paar Jahren einsetzte, ist auch das Interesse an deren Wurzeln, Hintergründen, Musikern und Stilen gestiegen. Die Leute, die abends ihre Salsa-Figuren mit Eleganz und Verve hinzulegen versuchen, möchten irgendwann mal wissen, woher denn die lüpfige Musik kommt, zu der sie sich bewegen. Und jene, die nach Kuba pilgern, um sich die alten Boys von Buena Vista und die jungen Tenöre von Van Van, Charanga Habanera oder Manolito y su trabuco vor Ort reinzuziehen, können oft zu wenig Spanisch um die einschlägige Literatur zu studieren. Leider gab es bisher wenig Möglichkeiten, um sich auf Deutsch über afro-kubanische Musik zu informieren (ausser übers Net, da aber meist englisch). Diesen Mangel behebt ein Buch, das als dtv premium-Ausgabe herausgekommen ist: „Salsa,Samba,Santeria - Lateinamerikanische Musik“ von Arne Birkenstock und Eduardo Blumenstock. Von Experten verfasst. Wie der Titel verrät, soll darin nicht nur den Roots derkubanischen, sondern der lateinamerikanischen Musik ganz allgemein nachgegangen werden. Die beiden Autoren, auch Musiker in Latinbands, weisen sich als Experten aus, was sich spätestens dann bestätigt, wenn man am Ende des Buchs auf die wichtigsten Rhythmus-Patterns der lateinamerikanischen Musik stösst. Klar und verständlich wird hier aufgezeigt, worin sich z.B. ein Son vom Mambo unterscheidet, wobei die Aktivitäten der beteiligten Instrumente einzeln aufgezeichnet sind. So erfährt man auch, warum ein Samba aus Brasilien ganz anders tönt als ein Son aus Kuba - indem man die ineinandergreifenden Schlagschemata selber nachspielt. Was sich bisher nach dem Gehör als verwirrend (für Europäer zumindest) herausstellte, wird hier durch simple grafische Notierung sonnenklar. Unverzichtbar für alle, die hinter die Geheimnisse der Rhythmik jener Musik kommen wollen, die ihnen am meisten in die Beine fährt. Musikhistorische Zusammenhänge Breiten Raum geben die beiden Autoren den historischen Hintergründen und musikethnologischen Zusammenhängen. Beginnend bei der vorkolumbianischen Kultur wird für die jeweils musikalisch bedeutsamen Länder die Entwicklung der Musica Popular mit all ihren Einflüssen einzeln erläutert. Die Folklore der Andenvölker und der weniger bekannten Völker Paraguays und Chiles wird da ebenso ausgebreitet wie jene Mexicos, die von den Mariachis über die Corridos der mexikanischen Revolution (z.B. ‚La Cucaracha‘) bis zu Texmex und neueren, von der Salsa beeinflussten Formen reicht. Ein eigenes Kapitel beschäftigt sich mit den Ausdrucksformen der synkretistischen Religionen wie Candomblé, Santeria, Capoeira, und auch der Tango kommt nicht zu kurz. Der Hauptteil des Buches, 120 Seiten, befasst sich naturgemäss mit den beiden quantitativ wichtigsten musikalischen Kulturen, mit der Musica Popular Brasileira (MPB) und der afro-kubanischen Musik. In kundigen, übersichtlichen Kapiteln wird die äusserst vielschichtige MPB anhand der herausragenden Musiker und Stile dargestellt. Zwar gehen die Autoren u.a. auf den Tropicalismo ausführlich ein, aber über die ethnomusikalischen Wurzeln der MPB muss man nach wie vor das ausgezeichnete Buch von Claus Schreiner ‚Musica Popular Brasileira‘ beiziehen (das im Anhang erwähnt wird). Überraschend ist auch, dass die Entwicklung der kubanischen Musik nur bis zu Chucho Valdès und seinem Grupo Irakere geschildert wird (der 1972 gegründet wurde). Alle neueren Entwicklungen, z.B. die Timba, wurden samt ihren Musikern nicht einmal gestreift. Dennoch ist das Buch mit seinem umfangreichen Anhang zu weiterführender Literatur und Musikstilen, mit Auswahldiscographie, Register und einer Auswahl-CD ein ausgezeichneter Führer für all jene, die sich näher mit lateinamerikanischer Musik beschäftigen wollen. Besonders lesenswert machen es die immer wieder eingestreuten Zitate, etwa wenn der erste deutsche Lateinamerikaforscher Alexander von Humboldt über die kubanischen Sklaven 1801 sagte: „Der Grundzug im Charakter der afrikanischen Völker von schwarzer Rasse ist ein unerschöpfliches Mass von Beweglichkeit und Frohsinn. Nachdem er die Woche über hart gearbeitet hat, tanzt und musiziert der Sklave am Feiertag dennoch lieber, als dass er ausschläft. Hüten wir uns, über diese Sorglosigkeit, über diesen Leichtsinn hart zu urteilen, wird ja doch dadurch ein Leben von Entbehrung und Schmerz versüsst.“ (Jürg Weibel in der Basler-Zeitung vom 4.09.03 / mit freundlicher Genehmigung des Autoren)
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